Die Esskultur Italiens

Not macht bekanntlich erfinderisch. Da die Italiener von Natur aus mäßig und sparsam leben und die Qualität von Speisen und Zutaten immer vor der Quantität steht, entwickelten sie sich zu Meistern des Würzens.

Nirgendwo sonst als in Italien findet man so viele Würzkräuter in Gebrauch: Salbei und Basilikum, Majoran und Oregano, Petersilie, Lorbeer, Knoblauch, Zwiebeln aller Art (die Italiener unterscheiden hier sehr genau!), frisch gemahlener Pfeffer, Fenchel, Zimt und Pfefferschote.

Doch niemals wird im Übermaß gewürzt: Auf die richtige Dosierung kommt es an! Die Zutaten müssen immer frisch und von guter Qualität sein. Noch immer zieht der Italiener den Wochenmarkt - wo er prüfen und auswählen kann - dem Supermarkt und der Tiefkühltruhe vor.

Die richtigen Zutaten und die richtige Zubereitung einer Mahlzeit sind essentiell. Daher begegnet man in Italien, ob in einem feudalen Ristorante, einer gutbürgerlichen Trattoria oder einer kleinen Rosticceria (der Wirt steht hier selbst am Holzkohleherd) immer wieder laut diskutierenden Italienern, die sich über die Zusammenstellung ihrer Mahlzeit unterhalten. Die Stunde der Mahlzeit ist für sie alle heilig, und die Speisenfolge hat in Italien den Stellenwert eines Rituals.